
Interkommunale Zusammenarbeit beim KI-Einsatz: Voneinander lernen
Am 10. September 2026 gestaltete der Internationale Städtebund Bodensee beim 8. ZU|kunftssalon Public Corporate Governance einen Workshop zum Einsatz künstlicher Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung. Unter dem Leitgedanken „Voneinander lernen“ standen eine konkrete Anwendung aus dem Verwaltungsalltag, das KI-Leitkonzept der Stadt Schaffhausen und die Frage im Mittelpunkt, wie Kommunen und Unternehmen beim Aufbau von Wissen und Strukturen zusammenarbeiten können.
Vom Anwendungsfall zu den praktischen Hürden
Bürgermeister Felix Cramer von Clausbruch stellte am Beispiel der KI gestützten Audiotranskription aus Rietheim-Weilheim eine Anwendung für den Verwaltungsalltag vor. In der anschließenden Diskussion ging es auch um die Datenbasis für weitergehende KI Anwendungen: Benötigte Daten fehlen teilweise oder liegen in voneinander getrennten Systemen. Das erschwert es, KI Lösungen mit den erforderlichen Informationen zu versorgen und sie in Verwaltungsprozesse einzubinden.
Ein zweiter Punkt betraf die Akzeptanz bei den Mitarbeitenden. Wenn eine von der Verwaltung bereitgestellte KI Lösung deutlich weniger leistet als frei verfügbare Angebote, steigt das Risiko einer nicht abgestimmten „Dunkelnutzung“. Kommunen müssen deshalb geeignete Werkzeuge bereitstellen und zugleich klare Regeln für deren Einsatz schaffen.
KI braucht Orientierung und klare Zuständigkeiten
Ramon Göldi, Programmleiter Smart City, stellte das Leitkonzept der Stadt Schaffhausen vor. Es beschreibt einen schrittweisen Weg: zunächst KI Werkzeuge als Assistenz nutzen, anschließend Fachprozesse unterstützen und langfristig Anwendungen auf der Grundlage eigener Verwaltungsdaten entwickeln.
Ein Schwerpunkt des Konzepts ist eine risikobasierte Steuerung. Fachverantwortliche bleiben für die Anwendung und die Prüfung der Ergebnisse zuständig; mögliche Risiken sollen früh erkannt und bei Bedarf an ein Steuerungsgremium weitergegeben werden. Schaffhausen setzt dabei auf flexible Grundsätze und die weitere Ausarbeitung konkreter Regeln. So soll die Verwaltung neue Möglichkeiten nutzen können, ohne Fragen des Datenschutzes, der Verantwortung und der Grundrechte aus dem Blick zu verlieren.
Voneinander lernen braucht Räume und Menschen
Marian Duram, Geschäftsführer des RITZ, zeigte, welche Voraussetzungen Austausch und Wissenstransfer brauchen. Das RITZ bringt Menschen aus Wirtschaft und Wissenschaft durch Veranstaltungen, Lernformate und gemeinsame Arbeit an Fragestellungen zusammen. Entscheidend sind dabei neben einem Ort für Begegnungen aktive Beteiligte, die Erfahrungen teilen und Kontakte herstellen.
Dieser Gedanke lässt sich auf die Kommunen der Bodenseeregion übertragen: Nicht jede Stadt muss Erfahrungen mit KI allein sammeln. Der Austausch über Anwendungen, Daten, Regeln und Schwierigkeiten kann anderen Verwaltungen den Einstieg erleichtern und helfen, eigene Lösungen besser einzuordnen.
KI als gemeinsame Gestaltungsaufgabe
Die Beiträge und Diskussionen zeigten, dass ein erfolgreicher KI Einsatz mehr als die Auswahl eines Werkzeugs erfordert. Kommunen brauchen zugängliche Daten, Lösungen mit erkennbarem Nutzen für die Mitarbeitenden und klare Verantwortung für deren Einsatz. Der Internationale Städtebund Bodensee bietet seinen Mitgliedsstädten eine Plattform, um Erfahrungen dazu grenzüberschreitend auszutauschen und voneinander zu lernen.